Ist denn das noch Jollensegeln?? – Rund Um 2026

Am Wochenende des 05.06.2026 war es wieder soweit und die Jubiläumsausgabe der 75. Rund Um startete vor Lindau in den Abend oder eher gesagt in eine lang werdende Nacht. Mit dabei auch einer von uns Jollenseglern. Pius Rawitzer traute sich zu den Schweizer Nachbarn und segelte auf dem M2 Katamaran Sonnenkönig (SUI777) mit.

Die Aussichten auf Wind für die Rund Um waren im Vorfeld schon sehr verhalten und bewahrheiteten sich dann auch beim Start um 16:00 Uhr vor Lindau. Quälend langsam schlichen die Teilnehmer über die Startlinie in Richtung der ersten Tonne vor Romanshorn. Insbesondere für die schnellen Katamarane der Startgruppe 0 würde es zu einem Geduldsspiel werden. Letztes Jahr noch mit Geschwindigkeiten von 15 – 18 knts und einer Gesamtzeit von knappen 3h, kroch man dieses Jahr beim Start mit knappen 3 – 4 knts über die Startlinie.

Direkt eine Wende am Startschiff und das beständige Segeln am deutschen Ufer brachte dem Team mit Pius an der Fock und Taktik bereits eine frühe Führung ein. Allerdings immer mit der Konkurrenz im Nacken, so dass nach knappen 5h an der Tonne vor Romanshorn neben dem Sonnenkönig auch zwei andere direkte Konkurrenten im Abstand von 10 min die Tonne rundeten. Anschließend wurde der nächste Schenkel zum Eichhorn bei Staad fortgesetzt.

Die untergehende Sonne brachte dann auch endlich den erhofften Wind und die perfekten Bedingungen für die High End Rennmaschinen, um mit rund 14 knts die Kreuz ans Eichhorn zu bestreiten. Nach einigen Segelwechseln und einem kleinen Ausflug ans Schweizer Ufer fand sich der Sonnenkönig beim Erreichen der Boje vor Staad allerdings hinter den beiden direkten Gegnern wieder. So startete das Kopf-an-Kopf Rennen nach Überlingen erneut.

Nach dem Passieren der Fährlinie war dann auch keine Sonnenbrille mehr nötig, da es zu dem Zeitpunkt bereits stockfinster war. Aber nicht nur die Sonne ließ die Segler auf der Etappe im Stich, sondern auch der Wind. Also hieß es: wieder im Schneckentempo weitertreiben. Ab und an kam ein kleiner Luftzug über den Überlingersee, je nachdem ob in Litzelstetten oder in Überlingen mal ein Fenster zum Lüften geöffnet wurde. Dementsprechend langsam ging es also um die Tonnen vor Überlingen. Um Fahrt im Schiff zu halten, musste sogar höher als die erste Tonne gesegelt werden um nicht komplett zu „Ankern“. Also vielleicht doch einfach den Teil des Sees zu betonieren?

Auf Höhe der Mainau gab es dann plötzlich einen erlösenden Druck im Gennaker, der Pius und sein Team final aus dem Überlingersee hinausbeförderte. Aber damit nicht genug. Der Wind frischte auf und deshalb wurde kurz nach Meersburg der Gennaker eingeholt und endlich die Fock gesetzt.
Los ging die wilde Rauschefahrt in Richtung Lindau in völliger Dunkelheit. Nur der Mond leuchtete und zeigte die Richtung zum Ziel. Auf der Etappe wurde dann auch die Maximalgeschwindigkeit von 20 knts erreicht. Stellt euch also mal vor, ihr fahrt auf dem Mofa mit 40 km/h im Dunkeln und alle paar Minuten schmeißt einer einen Eimer Wasser über euch. Dann hab ihr etwa eine Vorstellung wie das so war auf dem Cat.

Vor Wasserburg wurde dann der Wind wieder weniger und es wurde erneut auf den Gennaker gewechselt. Das beeinträchtigte allerdings die Sicht nach vorne erheblich, was zu mehreren Verwechslungen zwischen Mond und Seglern führte.

Am Ende beendet das Team des Sonnenkönigs mit Pius an Bord um kurz nach 3 Uhr nachts und einer gesegelten Zeit von 11:04h die 75. Rund Um als schnellstes Schiff der „großen“ Bahn und gewinnt damit das große blaue Band der Rund Um, einen bayrischen Löwen von King Maggus und die Schale führ das schnellste Schiff nach berechneter Zeit.
Herzlichen Glückwunsch Pius zu dem Erfolg, auch wenn man bei dem Cat streiten kann, ob das denn noch Jollensegeln ist.

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